Ein EXODUS-Gottesdienst vom Ende. Und neuen Anfängen.

Erstellt am: 23. Dez 2018 von Maren
Kategorie(n): Atmosphäre

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Exodusgottesdienst im Bei Chez Heinz. Von Julia.

Das heutige Wort des Wortschimmers ist „vernichtet“.
Im Bei Chez Heinz wird vor allem sehr viel Alkohol vernichtet. Aber nein, das ist nicht der Zusammenhang.
Katholische Kirche und Nachtklub, wie passt das also zusammen?
Ja, ich bin eventuell voreingenommen, da ich im Bei Chez Heinz arbeite. Aber ich finde, das passt ganz wunderbar.
In der Exodusgemeinschaft treffe ich viele Unglaube tolle inspirierende Menschen, ich darf ich selbst sein und fühle mich sehr wohl.

Exodus ist meine Heimat.

Im Bei Chez Heinz treffe ich viele unglaublich tolle und inspirierende Menschen, ich darf ich selbst sein und fühle mich sehr wohl.

Das Bei Chez Heinz ist mein zu Hause.

Ihr seht es gibt da durchaus Parallelen.
Jetzt ist das Heinz und auch viele der Mitarbeiter und Besucher eher im politisch linken Spektrum zu verordnen und auch Religions-/Kirchenkritik ist nichts unübliches. Genau das ist passiert. Uns wurde (natürlich nicht von allen Seiten) relativ deutlich zu verstehen gegeben, nicht willkommen zu sein.
Ja, das hat im ersten Moment ziemlich weh getan.

Das eine Heimat und das andere zu Hause, aber scheinbar nicht miteinander zu vereinen.

Dann hab ich nochmal drüber nachgedacht und auf den zweien Blick fand ich wirklich gut was da passiert ist. Wir als Exodusgemeinschaft wurden hinterfragt! Was passiert wenn wir die Kirche und auch den eigenen Glauben nicht immer wieder hinterfragen? Wenn wir nicht die Spreu vom Weizen trennen, die Spreu vernichten und uns auf das konzentrieren was bleibt?

Ein paar Strichpunkte:

  • steht in letzter Zeit häufiger öffentlich in der Kritik
  • Besucherzahlen sinken
  • Man weiß nicht so ganz wie genau man die Menschen wieder mehr ansprechen soll

Ob es bei diesen Punkten jetzt um die Kirche oder das Bei Chez Heinz geht oder vielleicht doch um beide weiß man vermutlich nicht so genau.
Ja, bei dem Punkt mit den Besucherzahlen bildet Exodus vermutlich eine Ausnahme.
Das könnte vermutlich auch was mit der Geschichte von Spreu und Weizen zu tun haben. Bei Exodus-Gottesdiensten konzentrieren wir uns auf das wesentliche, auf das was übrig bleibt. Unser Glaube und Gottes Wort in einfachen Worten und gut verständlich dargestellt. Dazu braucht es gar nicht viel.
Und doch ist Exodus Teil der katholischen Kirche. Wenn ich die betrachte klingt Spreu vom Weizen trennen, dass nur der gute Weizen übrig bleibt und die Spreu vernichtet wird ziemlich gut.
Tolle Gottesdienste, wie die mit Exodus, bleiben, Aussagen wie „Homosexualität ist nur eine Modeerscheinung.“ werden vernichtet.
Gemeinschaft und das Gefühl von Verbundenheit bleibt, Missbrauchsfördernde Machtstrukturen werden vernichtet.

Das gleiche gilt fürs Heinz.
Tolle Partykonzepte und durchgetanzte Nächte bleiben,
Nichtreaktion auf Sexismusvorwürfe werden vernichtet.
Liebenswerte Mitarbeiter und gute Gespräche bleiben, Unorganisiertheit und fehlende Kommunikation werden vernichtet.

Ich finde, das wäre ein ziemlich schönes Bild:
Ich nehme mir die katholische Kirche und sortiere nach Spreu und Weizen. Das gute nach links, das schlechte nach rechts und gleich vernichten.
Das gleiche mache ich mit dem Bei Chez Heinz.
Das gute Nacht links, das schlechte nach rechts und gleich vernichten.
Schön, wenn das so funktionieren würde. Vermutlich aber auch nur ein Traum wenn alles so einfach lösbar wäre.
Da das Leben nunmal das Leben ist und kein Traum, ist das doch nicht so einfach.

Meiner Meinung nach hat man in solchen Situationen nur zwei Möglichkeiten:
Entweder man geht, weil man die negativen Aspekte nicht mit sich selbst vereinbaren kann oder aber man bleibt. Nicht um zu resignieren und alles so hinzunehmen.
Man bleibt und kämpft. Versucht Dinge zu ändern, von innen.
Man bleibt und setzt sich dafür ein, dass Machtstrukturen aufgebrochen werden, dass Menschen miteinander reden und sich wohlfühlen.

Ja, das ist schwer. Verdammt schwer.

Wie oft habe ich in letzter Zeit überlegt, dass es doch einfacher wäre aus der Kirche auszutreten? Mit diesen ganzen Skandalen nichts zu tun haben zu müssen und laut sagen zu können, dass ich das homophobe Gerede des Papstes und anderer hoher Tiere der Kirche zum kotzen finde.
Und ich glaube mit dieser Überlegung bin ich nicht allein.
Wie oft habe ich überlegt, diesem unorganisierten Chaoshaufen im Heinz den Rücken zu zuzuwenden und mir einen Job mit vernünftigen Arbeitszeiten zu suchen. Auch mit diesen Gedanken bin ich vermutlich nicht allein im Team.
Aber was passiert, wenn die Leute, die motiviert sind Dinge zu ändern, alle gehen? Vermutlich nicht mehr viel.

Also bleibe ich, sage vielleicht ein klitzekleines bisschen leiser, dass ich das homophobe Gelaber des Papstes zum kotzen finde, mit dem Beisatz, dass vermutlich auch seine Herkunft, ein damit einhergehendes konservatives Weltbild sowie viele regierende alte Männer da mit rein spielen.
Also bleibe ich und lerne auch mal nein zu sagen und mir nicht jede Nacht um die Ohren zu schlagen.

Ich bin noch hier!

Das ist auch frustrierend und manchmal fühlt es sich an wie ein Kampf gegen Mauern.
Aber wie ihr alle wisst können Mauern auch fallen.

Wenn man dann also wieder voll motiviert ist und gerade fleißig imaginär
Spreu vernichtet, kommt manchmal noch mehr dazu. Zum Beispiel die Stadt Hannover, die gerne ein neues Schwimmbad hätte. Da brennt es ja eh grad, kann das Heinz auch gleich ganz weg. Es gab Petitionen und Infostände, der Slogan „Heinz muss bleiben!“ entstand und dich ist es ein Kampf gegen Mauern!

Aber schaut euch um!
Das Bei Chez Heinz ist noch hier!
Ich bin noch hier!
Du bist noch hier!
Wir alle sind noch hier!
Und ich bin mir sicher, an so einem gottlosen Ort des Nachtlebens, auch Gott ist hier!

 

 

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