Verkündet: das Leichteste der Welt.

Erstellt am: 22. Jan 2018 von Maren
Kategorie(n): Atmosphäre | Weihnachtskalender

 

Ich wurde geboren an einem Fluss und seitdem treibe ich dahin
Durch dieses Leben das mich lieben will, egal was ich auch bin
Und also existiere ich und atme und finde: Das war gar kein schlechter Anfang

 

Es war letztes Jahr, kurz vor Weihnachten. Ich kam gerade von einem netten Kaffeetrinken, lief durch Linden und hatte dieses Lied auf den Ohren.
Und es kam so über mich, dass ich dachte: darüber würdest du gerne mal predigen.
Über dieses Leben, das mich lieben will, egal, was ich auch bin.
Über geboren werden und dahintreiben.
Klingt nach einem guten Anfang.

 

Dann lag ich eine Weile lang im Koma, jetzt bin ich endlich wieder wach
Und ich hab euch Blumen und Pralinen vom Arsch der Hölle mitgebracht.
Ich lerne langsam wieder laufen und sprechen, ich gebe den Dingen einen Namen

 

Nur – was wollte ich zu diesem Lied erzählen?
Ich könnte erzählen, dass dieses Lied mein letztes Jahr ziemlich gut in Worte fasst. Ein Jahr, in dem ich viel gelernt habe.
Laufen und sprechen und den Dingen einen Namen zu geben.
Ich habe gelernt zu sagen: ich schaffe das nicht.
Ich habe gelernt, hinzufallen und wieder aufzustehen und noch mal hinzufallen.
Ich habe auch gelernt, dass das verdammt weh tut und dass ich ganz schön viel will – aber manchmal einfach nicht kann.

 

Ich sage meine Liebe, meine Lügen, meine Hoffnung, meine Schuld;
Meine Leidenschaft, mein Feuer, meine Wut und meine Ungeduld
Mein Nein und mein Vielleicht und mein unbedingtes Ja
Oh ja, ich will!

 

Und all dies war da in diesem Jahr.
Liebe und Schuld und Hoffnung und Wut und – vor allem – Ungeduld.
Über die Frage, wie es weitergehen soll.
Über mein Nein und mein Vielleicht und mein Ich weiß doch auch nicht.
Über mein nicht können und manchmal auch nicht wollen und mein Zweifeln.
Und doch… hat sich von irgendwoher immer wieder ein Ja angeschlichen.
Oh ja. Ich will. Unbedingt.

 

Ich will mich wieder wundern, will erstaunt sein, will wie der allererste Mensch
Mit neuen Augen zwischen den Dingen stehen und nichts wieder erkennen
Die Schritte setzen durch Wälder und Wiesen und sagen:
„Ja es ist gut, es ist gar nicht so schlecht.“ Und also öffne ich meine Arme,
ich öffne sie so weit ich kann Denn jeder Tag ist ein Geschenk
er ist nur scheiße verpackt
Und man fummelt am Geschenkpapier rum
und kriegt es nur mühsam wieder ab

Ja, ich glaube, es waren einige Tage im letzten Jahr echt scheiße verpackt. Oft war auch noch das Geschenkpapier ziemlich hässlich.
Ausgepackt habe ich sie trotzdem alle. Dafür bin ich viel zu neugierig.
Manche Tage davon habe ich erst mal zur Seite gelegt, weil ich nichts mit ihnen anzufangen wusste.
Über viele andere Tage durfte ich staunen und mich wundern.
Und inzwischen kann ich sagen: dieses Jahr. Es war gut. Es war gar nicht so schlecht.

 

Doch ja, ich weiß jetzt, es gibt Menschen, die diese Welt durchaus rechtfertigen
Die durch ihr bloßes Dasein andern Menschen leben helfen
Die lieben und lieben und lieben und lieben und lieben und lieben
Als wär‘ es das Leichteste der Welt

 

Ich will einer von ihnen sein.
Von diesen Menschen, die durch ihr bloßes Dasein verkünden:
Du bist geliebt! Fürchte dich nicht.
Die an hässlich verpackten Tagen helfen, das Geschenkpapier abzufummeln.
Die zuhören und mit mir Kaffee trinken – oder Schnaps, wenn’s sein muss.
Die mit mir abtauchen in eine improvisierte Welt und die mit mir ans Meer fahren und aufs Wasser gucken und auf Antworten horchen.
Die Tränen aushalten und Stille und den Lärm der Welt leiser drehen.
Ich will einer von ihnen sein.

 

Manchmal liege ich nachts wach
und träum‘ von den schönsten Melodien
Sie schweben durch die Dunkelheit,
ich stell‘ mir vor, ich schwebe mit ihnen
Irgendetwas in mir will leuchten und wird schwerelos

 

Und immer dann, wenn ich so wach liege und von Melodien träume und von Bildern…
Wenn sich das Leuchten einen Weg nach draußen bahnt und mich Geschichten erzählen lässt von Liebe und Scheitern, von Mut und Hoffnung, von Fragen und Zweifeln.
Geschichten von mir. Und Gott.
Dann kann ich einer von ihnen sein.

 

Dann kommt ein Schlagzeug rein
und treibt den Beat bis hinter meine Ohren
Ein Bass umgarnt die Bass Drum, eine Gitarre drängt nach vorn
Und irgendwo im Nirgendwo pfeift ein himmlisches Feedback

 

Und so schimmert sie auf.
Gottes Gnade in einem himmlischen Feedback.
In meinen und euren Geschichten von Licht und Dunkelheit.
Bejubelt von Gott und beschenkt mit einem Leben, das mich lieben will – egal, was ich auch bin.
Und so… ist es fast das Leichteste der Welt.

 

Oh, und alles gerät in Bewegung,
der ganze Raum fängt an zu schwingen
Und ich hör‘ eine engelsgleiche Stimme und viele mehr die mitsingen
Sie singen

Never mind the darkness, baby. You will be saved.

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