bejubelt

Erstellt am: 25. Dez 2017 von Daniel Konnemann
Kategorie(n): Atmosphäre | Weihnachtskalender

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Einspielung 1: Herbert Zimmermann in Bern

 

1954.
Es schien so unglaublich.

Der Jubel über ein Tor.
Zugegeben, nicht irgendeines Fußballtores.
Es ist das Tor, das als das Wunder von Bern gilt.
Es schien unglaublich, was der deutschen Nationalmannschaft da widerfährt und gelingt.
Taktik, Können, Glück? Es gehört doch so vieles dazu.

Ein Tor, das irgendwie die Welt verändert.
Zumindest kommt es einem so vor.
Der Jubel über das Unglaubliche.

 

→ Einspielung 2: Hans-Dietrich Genscher in Prag

 

1989.
Es schien so unglaublich.

Menschen saßen fest. Auf dem Gelände der deutschen Botschaft in Prag.
Manche schon wochen- und monatelang.
Der Jubel über eine Nachricht.
Das Wunder von Prag.

Verhandlungen, Geschick, die hohe Kunst der Diplomatie?
Ein Satz, ein halber Satz, der die Welt verändert.
Der Jubel über das Unglaubliche.

 

An dieser Stelle gehört nun eigentlich eine dritte Einspielung.
Aus dem Jahr 0.
Auch ein Jubel.
Der Jubel über ein Wunder.
Ein Weihnachtsjubel nämlich.

Das Wunder:
Gott wird Mensch.
Ein Kind im Stall.

Jubel über unglaubliches.
Gott, dem es doch an nichts mangelt,
der alle Anbetung und Macht hat.
Der bindet sich an die menschliche Natur.
An Vergänglichkeit.
An Schwächen und Bedürfnisse.
An Ausgeliefert sei:
andere Menschen, eine Gesellschaft, eine Kultur. Der Versuchung.
An all, das was einen Menschen ausmacht.

Warum bloß?

Weil der Mensch, auch in seiner Begrenzung, etwas ganz großartiges ist.
Weil Gott den Menschen liebt.
Und weil er ihn wunderbar gemacht hat.
Weil der Mensch diese Welt zum besseren Ort machen kann.
Er hat alles, was er dazu braucht.
Gott erinnert daran.
Und macht es vor.

Der Jubel über unglaubliches.
Gott bejubelt den Menschen.
Jeden einzelnen.

 

Heute. 2017.
Es müsste ein großer Jubel um die Welt gehen.
Es müsste Konfetti regnen. Trompeten spielen und Trommeln erklingen.
Und Jubelchöre müssten aufstehen.
Weil es immer noch geschieht.
Weihnachten.
Dass Gott den Menschen bejubelt.

Ohja, es gäbe genug Orte, wo Weihnachten nötig ist.
Und Herzen die sich berühren lassen sollten.
Und es scheint, es ist ein wirklich langer Weg,
Gottes Traum von dieser Welt wahr werden zu lassen.

Vielleicht fangen wir an, und einander in den Blick zu nehmen.
Einander zu erinnern und den Jubel weiterzugeben.

Wir können ja mal zaghaft anfangen.
Beginnen wir mit Gesang. (Oooo -o -o -o … )

 

Wenn Weihnachten heute geschieht,
wo mag Gott in dieser Nacht geboren sein?
Was denken sie?
Wen, glauben sie, bejubelt Gott in dieser Nacht?

So, wie Gott ist und wie es damals war,
er kommt bestimmt unscheinbar in die Nähe der Mächtigen und Reichen,
die an das Gesetz des Stärkeren glauben.
Er wird in der Nachbarschaft geboren.
Nicht in einer perfekten Ordnung und heilen, gesicherten Welt.
Auch nicht hinter gut gesicherten Zäunen und Mauern.

Das ist ein bisschen wie der Jubel über das Wunder von Bern:
Der Sieg des Außenseiters.
Nicht des vermeintlich Stärkeren.
Der Jubel, dass Tore manchmal doch vom Himmel fallen.
Und dass es nicht um Macht und Stärke geht.
Wer jubelt da mit?

Er müsste Gestalt annehmen in Flüchtlingslagern.
Und er kommt zu uns als der Fremde.
Der uns erinnert, dass wir gemeinsam in einer Verantwortung stehen für diese Welt.
Dass ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung eine gemeinsame Anstrengung und Aufgabe bedeutet.
Wie damals in Prag.
Dass die erlösende Nachricht, die die Welt verändert, aus einer gemeinsamen, solidarischen Anstrengung möglich wurde.
Wer bejubelt sie, die die Heimat verlassen und als Fremde kommen?

Er kommt zu denen, die sich ausgeliefert fühlen und ausgeliefert es sind.
Ausgeliefert an Macht und Gewalt.
Einer Gesellschaft, die wegschaut, einer Kultur, die Gewalt und Missbrauch nicht verhindert.
So, wie es das leider gab und immer auch noch in Kirche gibt.
So wie es vor allem die vielen Frauen in den letzten Wochen aufgezeigt haben und sich unter #metoo gegenseitig Mut machten.
Ohja, ich glaube, dass Gott sie stärken will und ihnen zujubelt.
Wer noch?
2017.

Jubel: Über ein Wunder.
Weil es möglich ist, diese Welt zu verändern.
Als Mensch. Nicht nur als Gott.
Weil der Mensch alles hat, was er dazu braucht.
Und Gott das will.
Eine Welt voller Menschlichkeit.

Gott jubelt über jeden einzelnen, der sich darauf einlässt.

 


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